Kommt die Künstliche Superintelligenz?
Versuch einer Klärung
Rainer Fischbach
21. Mai 2026 • www.rainer-fischbach.info • rainer_fischbach@gmx.net
Begriff und Genealogie
Unter den Fragestellungen des Workshops fanden sich, neben „Wie kann ein Computer dazu programmiert werden, eine Sprache zu verwenden?“, „Wie kann eine Menge von (hypothetischen) Neuronen angeordnet werden, um Begriffe zu bilden?“ auch die, wie ein Computer zur Entwicklung von „Abstraktionen“, „Wahlfreiheit und Kreativität“ sowie zur „Selbstverbesserung“ befähigt werden könnte. Eine Konstante der Disziplin sollte darin bestehen, beständig solche ambitionierten Ziele zu formulieren — bis hin zu Systemen, die über Artificial General Intelligence (AGI) verfügen, die der menschlichen gleichen und sie schließlich, was die Gläubigen als Singularity bezeichnen,7 exponentiell übertreffen soll —, um für sie nicht nur üppige Mittel zu akquirieren, sondern sie ebenso beständig zu verfehlen. Hilary Putnam sah darin ihren „Madison Avenue aspect“,8 der sich als „horrendous oversell“ äußere,9 also einen Charakter, der sie der Werbeindustrie gleichstelle und darin bestehe, dass sie beständig und in erschreckendem Maße mehr verkaufe als sie zu liefern vermöge. KI ist, mehr als alles andere, eine Marketingformel. 30 Jahre nach Putnam bestätigten der Neurowissenschaftler Gary Marcus und der Informatiker Ernest Davis dieses Urteil: „Since its earliest days, artificial intelligence has been long on promise, short on delivery“.10 Mit diesem Satz beginnen die beiden Autoren, die keinesfalls Gegner der KI sind, ein Buch, in dem sie ihre Kritik am Stand der Disziplin darlegen.
Die KI, auch in ihrer aktuellen Gestalt, erzielte einige Erfolge, doch waren die, gemessen an den Ankündigungen, eher bescheiden. Während diese Erfolge auf eng umrissenen Gebieten gelangen, führen die durch die Medien verbreiteten Verallgemeinerungen und Übertreibungen auf Irrwege. Als fruchtbar erwies sie sich zudem, sofern sie als Abfall eine Reihe von Konzepten, Methoden und Werkzeugen hervorbrachte, die sich auch außerhalb ihrer als nützlich erwiesen. Dazu gehören, neben der von McCarthy entworfenen Programmiersprache LISP und einigen weiteren, wie PROLOG, auch Konzepte wie die Workstation, also der persönliche Arbeitsplatzrechner und die integrierte Softwareentwicklungsumgebung mit einer Reihe von entsprechenden Werkzeugen, die heute als selbstverständlich gelten. Auch bestimmte heuristische Techniken, etwa solche der Suche und Bewertung in komplexen Lösungsräumen, gehören zu den fruchtbaren Beiträgen aus dem Kontext der KI.
Ein Projekt, in das man im DoD große Erwartungen gesetzt hatte, war die automatische Übersetzung aus Fremdsprachen, insbesondere aus dem Russischen. Doch selbst auf der Basis der fortgeschrittensten linguistischen Theorie, der generativen Transformationsgrammatik, war es zum Scheitern verurteilt: natürliche Sprache enthält zu viele Unregelmäßigkeiten, idiomatische Ausdrücke und Mehrdeutigkeiten, um so zuverlässig übersetzbar zu sein. Heutige Übersetzungssoftware, die, wenn auch weit von Perfektion entfernt, etwas leistungsfähiger ist, fußt nicht auf einem Verständnis der Struktur und Semantik von Sprache, sondern auf Statistik. Brauchbare, doch immer noch der Überprüfung bedürftige Ergebnisse bringt sie auf beschränkten Gebieten, für die sie jeweils angepasst werden muss. Schrittweise Erfolge erzielte man, beginnend mit den einfachen, dagegen bei Spielen. Die schwierigen, wie Schach und Go, vermochte man erst sehr spät zu meistern und nur mittels sehr viel menschlicher Vorarbeit und der exponentiell gewachsenen Leistung der Rechner, letztlich jedoch nicht durch Verständnis ihrer Logik, sondern auf der Basis einer riesigen Menge von zuvor erfassten und gespeicherten Spielverläufen, mit denen die aktuelle Situation verglichen wird, um jeweils den erfolgversprechendsten Zug auszuwählen.
Große Erwartungen wurden in den 1980ern in die Technik der Expertensysteme, im Englischen Knowledge Based Systems (KBS), gesetzt. Die Architektur solcher Systeme umfasst als festen Bestandteil die Inferenzmaschine, in der die Regeln logischer Deduktion implementiert sind, und eine erweiterbare Wissensbasis, die, um durch die Inferenzmaschine bearbeitbar zu sein, in einer formalen Notation vorliegen muss. Auch hier gab es Erfolge auf beschränkten Gebieten, in denen das relevante Wissen bereits hinreichend formalisiert war und passende Fragestellungen existieren, wie z.B. in einigen Teilen der Chemie, doch die Hoffnungen — oder Befürchtungen —, menschliche Experten könnten dadurch obsolet werden, erfüllten sich nicht.
Auf Phasen von hohen Erwartungen in die KI folgten regelmäßig solche der Enttäuschung, für die sich der Begriff KI-Winter etablierte. So auf die Hochphase der KBS. Einen neuen Aufschwung nahm das Feld erst wieder in den 2010er Jahren, doch diesmal auf einer völlig anderen Basis. Obwohl die theoretischen Ingredienzien dafür schon lange bekannt gewesen waren, wurden die entsprechenden Ansätze bis dahin höchstens in Nischen verfolgt, weil entscheidende Voraussetzungen fehlten: nämlich ausreichende Rechnerleistung zu akzeptablen Preisen und Massen an Daten. Genau das hatte sich an der Schwelle zum zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts geändert. Doch zunächst zu den theoretischen Aspekten.
Die statistische KI und was sie ermöglicht
Ein Gebiet, auf dem dieses Verfahren in den 2010er Jahren erste Erfolge erzielte, war die Bilderkennung. Eine typische Eingabe für die entsprechende Funktion ist z.B. ein Bild, das aus 1000·1000 Punkten besteht, deren jeder durch die Werte der drei additiven Grundfarben bestimmt ist. Die Eingabe ist also ein Vektor von drei Millionen Dimensionen, d.h. eine Reihe mit der entsprechenden Zahl von Elementen. Wenn die Aufgabe darin besteht, tausend Arten von Objekten zu unterscheiden, ist die Ausgabe ein Vektor von tausend Dimensionen, wobei jede Komponente die Wahrscheinlichkeit angibt, dass das Bild eine der vorgegebenen Objektarten darstellt. Die Summe der Komponenten ist eins. Das entspricht der Verknüpfung der einzelnen Aussagen zu den Wahrscheinlichkeiten durch den logischen Junktor ‚oder‘. Was dabei stattfindet, ist die Reduktion eines Raumes von drei Millionen auf einen von tausend Dimensionen. Voraussetzung dafür ist die Verfügbarkeit von Millionen von Bildern, die mit Hinweisen auf ihren Inhalt versehen sein müssen. Die Bilder sind seit der Popularisierung des Internet verfügbar — wobei die KI-Unternehmen urheberrechtliche Fragen weitgehend ignorieren —, doch für die Etikettierung benötigt man massenhaft billige Arbeit, die vor allem der globale Süden liefert. Der Zusammenbruch der Wirtschaft dort in der Folge der angeblich gegen COVID-19 getroffenen Maßnahmen, die passend zum KI-Boom kamen, steigerte das Angebot.14 Diese Art von KI basiert auf der Aneignung der geistigen Produktion von Millionen von Nutzern des Internet und der Ausbeutung von ebenfalls Millionen prekarisierter Arbeiter.
Am aufwendigsten bei diesem Prozess ist die milliarden- oder gar billionenfache Berechnung des Gradienten einer tief verschachtelten Funktion auf einem Raum von Millionen, Milliarden und sogar Billionen von Dimensionen. Den entscheidenden Sprung brachte hier der Einsatz von Prozessoren, die elementare numerische Operationen mit begrenzter Genauigkeit — es hat keinen Sinn hier mit sechzehn signifikanten Dezimalstellen zu rechnen — parallel auf Vektoren, d.h. Reihen von Operanden, auszuführen vermögen. Solche Prozessoren, Graphic Processing Units (GPU), waren ursprünglich entwickelt worden, um die Visualisierung technischer Gebilde und Prozesse sowie naturwissenschaftlicher Modelle zu beschleunigen, fanden jedoch in interaktiven Computerspielen den Stückzahlen nach ihr umfangreichstes Einsatzgebiet. Zu Beginn der 2000er Jahre nahmen Anwender solcher Prozessoren wahr, dass diese auch andere Berechnungen zu beschleunigen vermögen. Nvidia, damals einer der führenden Hersteller, griff diese Idee auf mit darauf zielenden Änderungen im Design der GPUs sowie einer Schnittstelle, der Compute Unified Device Architecture (CUDA), die Vektoroperationen und den bidirektionalen Transfer von Daten zwischen Arbeitsspeicher und GPU zur Verfügung stellt.
Die Systeme, auf denen heutige TNN trainiert werden, sind, bei steigender Tendenz, mit zigtausenden GPUs ausgestattet. Für den unersättlichen Hunger nach Prozessorzyklen ist ein Entwicklungsschritt verantwortlich, der über die bloße Erkennung bzw. Klassifizierung von Mustern hinausführt. Letztere bildete bis in die frühen 2020er Jahre den gemeinsamen Nenner der meisten Anwendungen, von der Bilderkennung, die eine zentrale Rolle beim fahrerlosen Fahren spielt, und der parallelen Verschriftlichung des gesprochenen Wortes, über den Spamfilter bis hin zu der Werbung, die Google neben und auch teils in der Liste der Suchresultate bzw. den Produktangeboten, die Amazon außer denen, nach denen man gefragt hat, präsentieren. Via Benutzerprofil und Verhalten wird man in eine Konsumentenkategorie einsortiert. Ähnliches findet auch statt, wenn Plattformen Nutzerbeiträge löschen, weil sie den ‚Community-Richtlinien‘ nicht entsprechen bzw. ihre Duldung Strafen gemäß Digital Services Act riskieren würde. KI wird dadurch zum Instrument einer stillen Zensur.
KI für die Massen vs. KI für Wissenschaft und Technik
Ein Schritt über die Mustererkennung hinaus fand mit der sogenannten Generativen KI statt. Ihr Ziel besteht darin, aus einer beschränkten Folge von Elementen einer bestimmten Art das — wahrscheinlich — nachfolgende vorherzusagen. Die Basis dafür besteht in gigantischen Mengen von entsprechenden Folgen, im Falle eines sogenannten Large Language Models (LLM) Milliarden von Texten aus elektronischen Quellen, meist dem Internet, die zu diesem Zweck in Sprachatome zerlegt werden, um die statistischen Beziehungen zwischen ihren Vorkommen in die Form eines TNN zu gießen. Was diese Systeme hervorbringen, ist Geschwätz, das die mit der Anfrage gesetzten Trigger auf der Basis dieser Statistik extemporiert — wobei zu beachten ist, dass die ChatBots, die auf dieser Basis arbeiten, die Anfrage auch unsichtbar um Angaben ergänzen, die sie anhand von deren bzw. auch ihres Stellers Klassifizierung auswählen. Das nennt man Prompt Engineering. Oft werden die klassifizierten und ergänzten Anfragen an unterschiedliche, an spezifische Aufgaben angepasste TNN weitergereicht. Der durch die Anfrage initialisierte Kontext, auf dem die Berechnung des nächsten Sprachatoms erfolgt, wird am Ende um dieses erweitert, während am Anfang eines entfernt wird, sofern seine erhöhte Länge die bereitgestellte Puffergröße überschreitet.
Auch wenn tausendfach die Behauptung zirkuliert, LLMs hätten Wissen, würden Überlegungen, Vergleiche, Verknüpfungen und logische Ableitungen vollziehen: nichts davon trifft zu. All ihre Auskünfte sind Kombinationen von Sprachelementen nach statistischen Gesichtspunkten. Auch wenn man sie ‚Modelle‘ nennt — sie sind keine Modelle realer Gegenstände oder Prozesse, von Gesetzen der Natur, der Grammatik oder Logik, sondern nur solche wahrscheinlicher Abfolgen von Elementen. Das trifft auch auf die zu, die nach der Methode des chain of thought mittels spezifischer, logische Schritte repräsentierenden, Folgen trainiert wurden. Die Fähigkeit zu logischer Verallgemeinerung und deren treffenden Anwendung erreichen sie auf diese Weise nicht. Solche ‚Modelle‘ haben mehr Ähnlichkeit mit den Epizykeln, die erfunden wurden, um die Planetenbahnen im geozentrischen Modell des Ptolemäus mit den Beobachtungen zur Deckung zu bringen, als mit valider Wissenschaft.
Vor diesem Hintergrund bedürfen auch die oft gehörten Aussagen zur Intransparenz der statistischen KI einer Präzisierung. Die ‚Schlüsse‘ dieser KI sind nicht nachvollziehbar — nicht, weil es sich um solche einer in für uns unerreichbaren Sphären operierenden Intelligenz handelte, sondern schlicht, weil sie keine Schlüsse zieht. Im Prinzip weiß man sehr genau, wie sie zu ihren Ergebnissen kommt: sie wählt das im gegebenen Kontext wahrscheinlichst, manchmal auch das etwas weniger wahrscheinlich, nachfolgende Element aus — nur: daraus ergibt sich keine logisch nachvollziehbare, inhaltliche Erklärung dafür, weil es eine solche auch nicht geben kann. Diesen Prozess nachzuvollziehen wäre nicht nur unerhört aufwendig, sondern auch völlig fruchtlos.
Der Verzicht auf die explizite Codierung von Logik und realen Sachverhalten bildet den Kern der statistischen KI und auch der TNN als deren aktuell wichtigstem Instrument. Zu den oft geäußerten Behauptungen gehört die, dass mit der Verbreitung der KI ‚die Algorithmen‘ zunehmend unser Leben beherrschten. Tatsächlich arbeiten in den KI-Systemen Algorithmen, doch haben die mit dem Inhalt der Anwendungen nichts zu tun. Besteht die Aufgabe beim Training darin, die Werte der Parameter zu finden, so bei der Anwendung, die Funktion, die ein trainiertes TNN darstellt, auszuwerten. Letzteres macht im Einzelfall deutlich weniger Aufwand als das Training, summiert sich allerdings bei millionenfachen Anfragen ebenfalls zu einem Umfang, der Rechenzentren von bisher nicht gesehenen Dimensionen erfordert. Es gibt ein theoretisch nur unvollständig fundiertes Erfahrungswissen über die Eignung bestimmter Architekturen von TNN, doch sind die ‚Halluzinationen‘ oder auch nur politisch inkorrekten Ausgaben, die sie öfters liefern, keine systematischen Fehler, sondern Folge ihrer normalen, ‚ordnungsgemäßen‘ Funktion und deshalb durch systematische Korrekturen prinzipiell nicht zu eliminieren. Wenn sich in den Trainingsdaten eine Gesellschaft spiegelt, in der es Diskriminierung gibt, die sich in entsprechenden Stereotypen niederschlägt, wird die damit trainierte KI diese reproduzieren. Gemildert werden können solche Fehlleistungen nur durch die Auswahl der Trainingsdaten und nachträgliche Korrekturen. Wer einen stochastischen Schwätzer bastelt, darf sich nicht wundern, wenn er sich wie ein solcher verhält — oder: wer sich nach Frankensteins Methode in der Sprach und Bildwelt bedient, muss damit rechnen, dass die Ergebnisse auch entsprechend aussehen — irgendwie ähnlich wie beabsichtigt, aber manchmal auch peinlich.
Die statistische Natur der aktuell im Vordergrund stehenden KI, also auch der dominierenden TNN, setzt ihr grundsätzliche Schranken.32 Die erste besteht darin, dass es, insbesondere bei hochkomplexen Anwendungen nicht möglich ist, deren Bereich hinreichend durch Trainingsdaten abzudecken. Mit Vorfällen wie dem, dass ein durch KI gesteuertes Auto mit einem umgekippt quer auf der Fahrbahn liegenden LKW kollidiert oder eine Frau, die ein hochbeladenes Fahrrad schiebt, überfährt, weil diese Fälle in den Trainingsdaten nicht vorkamen, ist immer zu rechnen. Die zweite Schranke resultiert daraus, dass selbst ‚gelernte‘ Objekte und Sachverhalte nicht erkannt werden, wenn sie von ungewöhnlichen Erscheinungen begleitet oder überlagert werden, etwa ein Stoppschild durch ein aufgemaltes Gesicht oder einen Aufkleber. Die dritte ist die am schwersten zu erkennende und gibt oft Rätsel auf: ein scheinbar ‚gelernter‘ Sachverhalt wird im operativen Betrieb nicht mehr erkannt, weil er nicht wirklich, sondern vielmehr seine Verknüpfung mit einem Merkmal in den Trainingsdaten ‚gelernt‘ wurde, das niemandem aufgefallen war, während es oft in Eingaben, die lediglich dieses begleitende Merkmal, nicht jedoch das zu erkennende enthalten, ‚erkannt‘ wird.33
Diese Schranken sind auch solche der diagnostischen Fähigkeiten der statistischen KI. Gleichgültig, ob es sich um die Erkennung von Erkrankungen wie Krebs und Tuberkulose mittels bildgebender Verfahren und Biomarkern handelt oder ob Betriebsdaten, optische und akustische Signale Hinweise auf sich abzeichnende Störungen von Maschinen geben sollen, es geht immer um Mustererkennung und die Antwort der KI besteht in einer Zahl zwischen 0 und 1. Die Frage ist, wo die Schwelle liegen soll, jenseits derer diese als ‚ja‘ zu interpretieren ist. Je niedriger man sie ansetzt, desto mehr tatsächlich positive Fälle erfasst man, doch um den Preis, dass man auch immer mehr falsch positive erhält. Das bedeutet, dass Sensitivität und Spezifität der Verfahren in einem inversen Verhältnis stehen. Ein solcher Zusammenhang wurde schon früh in der Radartechnik erkannt. Der Verlauf des Verhältnisses der Raten der wahr positiven und der falsch positiven mit steigender Sensitivität heißt dort Receiver Operating Characteristic (ROC) — ein Terminus, der sich auch in anderen Feldern wie der KI behauptet hat. Seine graphische Aufzeichnung wird als ROC-Kurve bezeichnet.
Ob es sich um molekularbiologische Tests, nach physikalischen Prinzipien arbeitende Sensoren oder Mustererkennung mittels TNN handelt: ohne sinnvolle Schwellenwerte, Qualitätssicherung der Verfahren und organisatorische Vorkehrungen, die Fehlertoleranz ermöglichen, kommt dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit — oft auch gefährlicher — Unsinn heraus. Ein politisch relevanter Anwendungsfall übertrieben sensitiver KI liegt bei der oben erwähnten Politik der Internet-Plattformen vor, die vorauseilend die Rolle als Blockwarte des Zensurregimes erfüllen, die ihnen der Digital Services Act nahelegt: lieber einen Beitrag mehr löschen, als Strafe riskieren.
Ein ernstes Problem resultiert auch aus der verbreiteten Anwendung von LLMs zur Erstellung von wissenschaftlichen Papieren. Es stellt sich nicht nur die Frage nach deren Urheberschaft, sondern auch die nach ihrer Korrektheit. Schon die Überprüfung eines Teils der in der jüngeren Vergangenheit publizierten Arbeiten brachte zig Tausende von fehlerhaften, ‚halluzinierten‘ Literaturangaben zutage, die auf LLMs zurückzuführen sind.35 Ein mit dem Thema befasster Wissenschaftler charakterisierte derartiges als „Frankenstein citations“. Hier baut sich eine Lage auf, die das System Wissenschaft insgesamt und insbesondere das der wissenschaftlichen Ausbildung, bzw. der auf Grundlage von mittels KI erstellter Arbeiten erteilten Zertifikate, in Frage stellt.
Auf der anderen Seite gibt es spezifische Anwendungen generativer Techniken, die zwar ebenfalls nicht zu unbedingt zuverlässigen Ergebnissen führen, doch — bei gewissenhafter Anwendung — der Forschung neue Dimensionen eröffnen. Solche Anwendungen erfordern, ebenso wie die Mustererkennung auf beschränkten Gebieten, deutlich weniger Ressourcen als die LLMs, die, wie Karen Hao kürzlich anmerkte,36 „the worst tradeoff“ von Aufwand und Nutzen böten. Ein Beispiel einer Software, die für eine spezifische Aufgabenstellung mit begrenztem Aufwand nützliche Ergebnisse liefert, stellt AlphaFold der, inzwischen von Google erworbenen, Firma DeepMind dar. Sie steht als Open Source zur Verfügung, und vermag mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit die Faltung und die, darauf beruhenden, möglichen Interaktionen von Proteinen mit anderen Molekülen auf der Basis der Sequenz ihrer Aminosäuren vorherzusagen — also die Eigenschaften, die für ihre biologische Wirksamkeit entscheidend sind. Bisherige Versuche, dies mit Hilfe der relevanten physikalischen Theorien zu tun, lieferten deutlich schlechtere Ergebnisse als AlphaFold,37 das anhand von durch bildgebende Verfahren ermittelten Strukturen trainiert wurde. Jene Verfahren, wie die Röntgenkristallographie und in neuerer Zeit die, selbst wiederum auf die Unterstützung durch Software angewiesene, Kryoelektronenmikroskopie, sind beide mit hohem Aufwand verbunden.
Die tief liegenden Schwächen
Schon Organismen ohne Nervensystem, selbst Einzeller, zeichnen sich durch Aktivität, Selbstheit und kognitive Fähigkeiten aus. Ein Einzeller wie das Physarum Polycephalum kann den minimalen Weg durch ein Labyrinth finden, wenn das eine Belohnung verspricht. Dazu muss es in physische Interaktion mit diesem treten. Nervensystem und Gehirn sind Organe, d.h. integrale Teile eines Organismus. Weder ihre Funktion noch ihre Evolution lassen sich ohne Bezug auf den gesamten Organismus, auf dessen Rezeptivität und Aktivität verstehen. Hier kommt auch der oft missbrauchte Begriffs der Selbstorganisation ins Spiel: der Organismus als Gesamtheit der Organe bringt diese und sich selbst als seine Funktionen ermöglichende Einheit hervor.43
‚Cyborg‘, kurz für ‚cybernetic organism‘, dieses Kunstwort soll eine funktionale Einheit aus einem Organismus — gemeint ist meist der Mensch — und einer Maschine bezeichnen. Die Einheit von Mensch und Werkzeug, Mensch und Maschine war, als es in den 1960ern entstand, faktisch wie konzeptionell keine völlig neue Sache. Das Werkzeug als Erweiterung der menschlichen Glieder und Sinnesorgane, in dessen Betätigung der Leib mit ihm verschmilzt, ist fundamental für die Herausbildung wie den Erhalt der Spezies Mensch und war schon immer Gegenstand anthropologischer Betrachtungen. Für den geübten Handwerker ist der Hammer die Verlängerung des Arms — nicht nur operativ, sondern auch kognitiv. Ein Blinder ‚ertastet‘ die Welt durch seinen Stock. Auch in der Arbeit mit den komplexen Maschinen, die erst in der jüngeren Menschheitsgeschichte erfunden wurden, bildet sich eine solche Einheit heraus. Das Automobil und sein Fahrer bilden eine solche Einheit, sobald eine gewisse Flüssigkeit der Bedienung sich eingestellt hat. Der erfahrene Fahrer ‚fühlt‘ die Beschaffenheit der Straße und er muss nicht ‚berechnen‘ wie stark er das Lenkrad einschlagen muss. Damit das auch mit Servolenkung funktioniert, muss diese ihm ein spürbares Feedback geben — womit wir genau bei der kybernetischen Problematik angelangt sind, aus dem der Begriff des Cyborg entstand: die Steuerung von Maschinen, deren Leistung die menschlichen Fähigkeiten weit übersteigen, die in Umgebungen operieren, in denen die Sinne des Menschen versagen, in denen dieser überwiegend nicht lebensfähig ist. Letzteres erfordert die Erweiterung des menschlichen Leibes nicht nur durch Werkzeug, sondern durch ‚Überlebenszeug‘, d.h. Vorkehrungen die sein Überleben in solchen Umgebungen ermöglichen, bzw. durch Technik, die eine Bedienung aus der Ferne erlaubt, indem sie zwischen Bediener und Maschine vermittelt.
„Es gilt daher, die unmittelbar bevorstehende Identifikation des Menschen mit der Maschine vorzubereiten, indem man einen ununterbrochenen Austausch von Intuition, Rhythmus, Instinkt und metallischer Disziplin erreicht und vollendet, wovon die Mehrheit noch keinerlei Begriff hat und nur die erleuchtetsten Köpfe etwas ahnen.
[…]
Wenn es dem Menschen möglich sein wird, seinen Willen in der Weise Gestalt annehmen zu lassen, dass er sich außerhalb seiner wie zu einem immensen, unsichtbaren Arm verlängere, werden Traum und Begehren, heute nichts als leere Worte, souverän über den gebändigten Raum und die gezähmte Zeit herrschen.
Der für eine allgegenwärtige Geschwindigkeit geschaffene a-humane und mechanische Typus wird natürlich grausam, allgegenwärtig und kampfbereit sein.“49
Das Spiegelspiel
Einer besonderen Überlegung bedarf der Sachverhalt, dass die Superintelligenz nicht etwa als selbstloses Vehikel menschlichen Wissensdurstes, sondern als autonom handelnde Instanz imaginiert wird. Die Vermutung liegt nahe, dass hier eine weitere Spiegelbildlichkeit, nämlich die von Technik und Metaphysik an die Oberfläche drängt, die in beider Geschichte untergründig schon immer wirksam war. Wenn der späte Martin Heidegger vom „Wesen der Technik, das Wort hier identisch gesetzt mit dem Begriff der sich vollendenden Metaphysik“,63 sprach, erkannte er darin den menschlichen Willen zur Herrschaft, der die Erde zu einer Wüste der Gleichförmigkeit macht und, in der Tat, schon die Bemühungen der Metaphysik leitete, alle Dinge durch Identität, durch unveränderliche geistige Wesenheiten zu bestimmen.
Ein Unternehmen, das sich an der Spitze des Fortschritts, als Gipfel von Aufklärung und Wissenschaft sieht, wird selbst zum Mythos. Auf neue Weise bestätigt sich, was Max Horkheimer und Theodor W. Adorno als die zentrale Lehre ihrer Dialektik der Aufklärung ansahen, nämlich
Doch zurück zu den vordergründigen und, nach heutigen Maßstäben, darunter wichtigsten, wenn auch durch eine eigene Hintergründigkeit sich auszeichnenden Dingen: das Scaling der Modelle zieht, wie angedeutet, die Skalierung des Finanzbedarfs in bisher nicht gekannte Dimensionen nach sich — was wiederum erfordert, auch die Gewinnerwartungen der Investoren und dazu die Versprechungen unerhörter Erfolge mit zu skalieren. Die Fata Morgana der unvermeidlich kommenden Superintelligenz verlangt ihre permanente Bestätigung, ja Steigerung, um den anwachsenden Strom der Ressourcen zu erhalten, dessen die angeblich zu ihrer Erlangung ausgebauten Systeme bedürfen. Das funktioniert, solange FOMO, fear of missing out, eine rationale Prüfung des ausgegebenen Ziels, des davon erwarteten Nutzens und der Angemessenheit der angeblich zu seiner Erreichung verbrannten Ressourcen verdrängt. FOMO treibt auch die zahlreichen Projekte zur Einführung von KI in Unternehmen an, die, meist ohne klare Zielvorstellungen und Einbindung der Mitarbeiter, zum Scheitern verurteilt sind. FOMO macht die KI auch zu einem Götzendienst, dem das Publikum in Massen verfällt: wo man früher überlegt, vielleicht auch Freunde befragt und recherchiert hat, geht man heute zum Orakel KI in Gestalt eines ChatBots. Groteske Züge nimmt das an, wenn Stars der alternativen Medienszene in Videobeiträgen und sogar in Büchern dokumentieren, wie sie mit viel Mühe einem ChatBot die Version einer Geschichte entlocken, die sie für die wahre halten. Nicht minder publikumswirksam beschwört man die Gefahr der Superintelligenz, um die Beschäftigung mit den naheliegenden realen Gefahren ins Abseits zu drängen. Die seien nachfolgend skizziert.
Die wirklichen Probleme und Gefahren
Die Bereiche, in denen die KI heute Gefahren bergende Entwicklungen treibt, die Aufmerksamkeit verdienen, sind zunächst die der diversen Ressourcen — menschlichen, d.h. Arbeitskraft und Qualifikation, natürlichen und finanziellen —, dann die der Formen ihres Einsatzes bzw. auch der Substitution von Arbeitskraft durch sie und schließlich die der Folgen ihrer Nutzung für die Anwender, insbesondere für ihre Informationsversorgung und ihr kognitives Vermögen. Dabei ist weniger die Substitution von menschlicher Arbeit von Bedeutung als vielmehr, dass sich die Bedingungen ihres Einsatzes wie auch ihre Ergebnisse verschlechtern und schon mittelfristig mit einem verminderten Nachwuchs an qualifizierter Arbeitskraft zu rechnen ist.
Aus der Unzuverlässigkeit der statistischen KI resultiert ein Dilemma, das die sie anwendenden Organisationen und, noch mehr, deren Mitglieder umso extremer belastet, je größer die Tragweite möglicher Irrtümer ist: während blindes Vertrauen in ihre Ergebnisse fatale Konsequenzen haben kann, macht sorgfältige Prüfung die Effizienzgewinne zunichte, die man sich von ihrer Anwendung verspricht. Der dadurch aufgebaute Zeitdruck führt in Folge der erhöhten Belastung der Anwender oft zu nachlässiger Prüfung, wenn nicht zu deren Überspringen. Schon allein die Verfügbarkeit von KI-Werkzeugen kann zu Arbeitsverdichtung, Selbstüberschätzung und Qualitätsminderung führen.89 Zu denken sollte auch geben, dass einige große Versicherungsgesellschaften keine Abdeckung von Schäden mehr anbieten, die durch KI verursacht wurden, während andere die Prämien für solche Fälle deutlich erhöht haben.90
In den 1980ern wurde die Diskussion um strategische Frühwarnsysteme, angestoßen durch die Strategic Defense Initiative (SDI), also Ronald Reagans ‚Star Wars‘-Programm, durch prominente Naturwissenschaftler und Informatiker in die Öffentlichkeit getragen, doch ohne substanzielle Wirkungen zu erzielen. Nicht zuletzt erzeugte das — vorläufige — Ende der Ost-West-Konfrontation ein trügerischen Gefühl der Sicherheit, während die breite Verfügbarkeit leistungsfähiger Mikroelektronik — eine Folge von fertigungstechnischen Durchbrüchen, die nicht an deren Geburtsort, dem Silicon Valley, erzielt wurden, sondern in Japan und in Europa — dieses Problem seither von der Ebene der strategischen Waffen in die taktische und in alle Frontabschnitte trug.
All die Kommentare, die hier eine völlig neue, exklusiv auf die KI zurückzuführende, Problematik sehen, gehen am Kern der Sache vorbei, nicht zuletzt auch, weil sie sich viele davon durch eine völlige Ahnungslosigkeit hinsichtlich der Fragen militärischer Technik und ihrer Geschichte, insbesondere der IT in deren Kontext, auszeichnen: Eine Aussage wie „militärische Systeme bestehen heute nicht mehr nur aus physischen Komponenten wie Flugzeugen, Raketen oder Fahrzeugen. Sie sind Teil komplexer digitaler Netzwerke, in denen Daten verarbeitet und analysiert werden“95 zeichnet sich durch tiefe historische Ahnungslosigkeit aus. C3I gehört, seit Menschen Krieg führen, dazu und selbstverständlich wird dazu digitale IT eingesetzt, seit sie verfügbar ist, also schon seit den ersten Nachkriegsjahren.96 Unter dem Problem, dass die Menge der Daten die Fähigkeit, darin Sinn zu erkennen, überstieg, litten die Nachrichtendienste schon lange, und da es sich mit der Perfektionierung und Vervielfachung der sie liefernden technischen Kanäle (Photographie, Funk, Radar, digitale multispektrale Sensorik, luft- und weltraumgestützte Plattformen dafür) ebenfalls vervielfachte, sann man auch schon immer auf technische Abhilfe.
„Früher mussten menschliche Analysten diese Daten manuell auswerten.“ Das ist, einmal abgesehen davon, dass die Leute, die das tun, in der deutschen Sprache ‚Analytiker‘ heißen, richtig, sofern man ein „ausschließlich“ vor „menschliche Analysten“ setzt und mit „früher“ etwas treffender ‚vor mehr als hundert Jahren‘ gemeint ist. Schon zu Zeiten der silberbasierten Fotografie setzte man diverse Techniken ein, um den verfügbaren Spektralbereich auszuweiten, wie auch um die Auswertung zu unterstützen und seit digitale IT verfügbar ist, gibt es digitale Bildverarbeitung, die zunächst versuchte, bestimmte Merkmale deutlicher herauszuarbeiten bzw. zu unterscheiden, um sich dann immer mehr der Klassifikation des Bildinhalts anzunähern. Dabei wurden schon in den 1970ern und 1980ern bedeutende Fortschritte erzielt. Die letzten signifikanten datieren, wie bereits ausgeführt, von 2012, als es gelang, durch die Kombination von Massen an Daten aus dem Internet, TNN und GPUs eine deutliche Verbesserung der Bilderkennung zu erreichen — etwas, was an den Militärs und den Nachrichtendiensten nicht vorbeiging. Damit schien sich ein Weg zu öffnen, um das Missverhältnis zwischen der Flut von Daten und der Fähigkeit zu ihrer Auswertung zu schließen — allerdings um den Preis möglicher Irrtümer, die nicht nur aus dem inversen Verhältnis von Sensitivität und Spezifität, sondern auch aus veraltetem Datenmaterial resultieren können. Unter dem Druck einer Doktrin, die, wie die aktuell in den US-Streitkräften gültige, auf die Kompression der Abläufe von Zielerkennung und Zerstörung setzen, sind auch „humans in the loop“ überfordert und Katastrophen programmiert.97
Das schwarze Loch
Was muss geschehen sein, dass jemand eine „pädagogische und erzieherische Beziehung“ zu den Schülern als Innovation verkaufen kann? Eine solche sollte doch schon lange selbstverständlich gewesen sein. Doch ob ein netter Lernbegleiter, dem die fachliche Autorität fehlt, sie aufzubauen in der Lage ist, bleibt fraglich. Ebenso, ob ein Bildungssystem, das schon lange nicht mehr dazu in der Lage ist, in Jugendlichen die Kenntnisse und Fähigkeiten zu bilden, deren sie für eine eigenständige Auseinandersetzung mit der Wellt bedürfen, die hier liegende Herausforderung überhaupt noch wahrzunehmen vermag.
Die größte Besorgnis nicht nur der politischen und medialen Klasse, sondern auch der von ihr als Intellektuelle Gehandelten besteht ohnehin darin, die ChatBots könnten vielleicht etwas außerhalb der von ihnen als legitim angesehenen Bandbreite ausspucken. Darauf deuten schon die zuvor erwähnten Aktivitäten von Anthropic hin. Hat die KI einmal epistemische Autorität erlangt, gelte es, ihr Trainingsmaterial so auszuwählen und ihre Tätigkeit so zu überwachen und zu steuern, dass sie den Korridor des Zugelassenen nicht verlässt. Solche Systeme
1Michael Holmes: Das Rennen um Superintelligenz bedroht die Menschheit — ein Interview mit Holly Elmore, Direktorin von Pause AI USA. Nachdenkseiten, 18. Februar 2026 <https://www.nachdenkseiten.de/?p=146464> (20.02.2026) und ders.: Bernie Sanders schlägt Alarm: Eine Superintelligenz könnte die gesamte Menschheit vernichten. Nachdenkseiten, 6. Mai 2026 <https://www.nachdenkseiten.de/?p=150004> (09.05.2026). Ähnliche Ängste äußerte Peter Vonnahme: Künstliche Intelligenz — wir verlieren die Kontrolle. Globalbridge, 21. Oktober 2024 <https://globalbridge.ch/kuenstliche-intelligenz-wir-verlieren-die-kontrolle/> (20.02.2026). Eine Antwort darauf erfolgte in Rainer Fischbach: Intelligenz-Wunderwelt: Wer daran glaubt, darf sich nicht wundern. Globalbridge, 31. Oktober 2024 <https://globalbridge.ch/intelligenz-wunderwelt-wer-daran-glaubt-darf-sich-nicht-wundern/> (20.02.2026).
2„Es gibt viele Dinge, die schiefgehen können“. Der Spiegel, 10/2026, 27. Februar, 16–18.
3Karen Hao: Empire of AI: Dreams and Nightmares in Sam Altman’s Open AI. New York NY: Penguin 2025, 228.
4Alan Turing: Computing Machinery and Intelligence. Mind 49, 1950, 233–460 <https://courses.cs.umbc.edu/471/papers/turing.pdf> (20.02.2026).
5John McCarthy et al.: A Proposal for the Dartmouth Summer Research Project on Artificial Intelligence. 1955. <http://www-formal.stanford.edu/jmc/history/dartmouth/dartmouth.html> (18.03.2020).
6Die ARPA finanzierte u.a. die Entwicklung der Technik zur Vernetzung von Computern und eine, nach ihr benannte, Pilotinstalation zur Vernetzung der beteiligten Forscher, aus der das Internet hervorgehen sollte. Dazu Janet Abbate: Inventing the Internet. Cambridge MA: MIT Press, 2000.
7Eine Singularität ist in der Mathematik, genauer der reellen Analysis, eine Stelle, an der eine, ansonsten stetige, Funktion nicht definiert ist. Die Anhänger der Singularity denken dabei an eine Funktion wie etwa die, die durch die Gleichung y = 1/x definiert ist, die die für x = 0 eine Singularität aufweist und deren Wert für positive x → 0 jede Schranke übersteigt, d.h. wenn x > 0 nur klein genug gewählt wird. Doch auch die durch y = sin (1/x) definierte Funktion hat an der Stelle x = 0 eine Singularität, doch wächst sie für positive x → 0 nicht unbeschränkt, sondern oszilliert mit unbeschränkter Frequenz zwischen +1 und –1.
8In Manhattans Madison Avenue sitzen die großen Werbeagenturen.
9In einem Interview, enthalten in: Peter Baumgartner, Sabine Payr (Hrsg.): Speaking Minds: Interviews with Twenty Eminent Cognitive Scientists. Princeton NJ: Princeton University Press, 1995, 184.
10Gary Marcus, Ernest Davis: Rebooting AI: Building Artificial Intelligence We Can Trust. New York NY: Vintage, 2019, 3.
11Dass nicht nur Expertenwissen, sondern auch ein großer Teil der kognitiven Leistungen, etwa das Erkennen von Menschen, Tieren und alltäglichen Gegenständen, nicht auf explizit formulierbaren Regeln, sondern auf verborgenen Fähigkeiten beruht, legte Michael Polanyi in einer Reihe von Publikationen dar, die um das kreisen, was er „tacit knowledge“ nannte. Zur Einführung Michael Polanyi: The Tacit Dimension. Gloucester MA: Peter Smith, 1983 [1966] und ders.: Knowing and Being. Chicago IL: Chicago University Press, 1969, Teil 3.
12Der Logiker Charles Sanders Peirce nannte das, im Gegensatz zur Deduktion, Abduktion. Doch gibt es dafür, anders als für erstere, keine expliziten Regeln. Eine ausführliche Diskussion der Problematik bietet Eric J. Larson: The Myth of Artificial Intelligence: Why Computers Can't Think the Way We Do. Cambridge MA: Harvard University Press, 2021, Kap. 12.
13Nicht nur dem Missverständnis, „dass das Gehirn im Wesentlichen bereits nachgebaut wurde“, sondern auch dem völlig unfundierten Glauben, bei KI handle es sich um „echtes Leben“, hängt z.B. Alexander Unzicker an in dem Interview mit Marcus Klöckner: Künstliche Intelligenz: Echtes Leben oder nicht? Nachdenkseiten, 20. März 2026 <https://www.nachdenkseiten.de/?p=148030> (22.03.2026).
14Dazu ausführlicher Hao 205, Kap. 9.
15Eine charakteristische Eigenschaft solcher Funktionen besteht darin, dass sie einen Schwellenbereich bilden, unterhalb und oberhalb dessen sie kaum reagieren.
16Der Gradient einer auf einem Raum, hier dem der Parameter, definierten skalaren, d.h. für jeden Punkt durch einen einzigen Wert definierten, Funktion ist ein Vektor, der die Richtung und den Betrag der stärksten Zunahme ihres Wertes für jeden Punkt angibt, d.h. ebenso viele Komponenten wie der Raum hat. Die Korrektur der Parameter muss also entgegen dem Gradienten mit einer reduzierten Schrittweite erfolgen. Eine (anspruchsvolle) Darstellung der Grundlagen, die auch frei im Netz verfügbar ist, bietet Moritz Hardt, Benjamin Recht: Patterns, Predictions, and Actions: Foundations of Machine Learning. Princeton NJ: Princeton University Press, 2023 <https://mlstory.org/pdf/patterns.pdf>. Einen Versuch, das vereinfacht zu tun, bietet Anil Ananthaswamy: Why Machines Learn: The Elegant Maths Behind Modern AI. London: Allen Lane, 2024.
17Die Geschichte dieser Entwicklung erzählen Tae Kim: The Nvidia Way: Jensen Hung and the Making of a Tech Giant. New York NY: Norton, 2025, insbesondere Kap. 8, 11 und Stephen Witt: The Thinking Machine: Jensen Huang, Nvidia and the World's most Coveted Microchip. London: Bodley Head, 2025, Kap. 9–12. Das Buch von Witt ist lebendig geschrieben und bringt viele interessante Details, erliegt jedoch den irreführenden Vergleichen der TNN mit Gehirnen und ihres Trainings mit der Evolution.
18Witt 2025, Kap. 10.
19Zum Verhältnis von Kapitalmärkten, Industriepolitik und technischer Entwicklung im Kontext der KI mehr in Rainer Fischbach: Der Westen in der Sackgasse, 2. März 2025 <https://www.rainer-fischbach.info/westen_sackgasse_20250207_0301.pdf> und ders.: Tod im Sprachmodell, Overton, 14. Februar 2026 <https://overton-magazin.de/top-story/tod-im-sprachmodell/> (26.02.2026)
20ImageNet bietet eine Datenbank von Millionen annotierten Bildern, die für das Training von Systemen zur Bilderkennung zur Verfügung stehen. Die Vorgehensweise der Testsieger von 2012 erläutert Alex Krizhevsky, Ilya Sutskever, Geoffrey E. Hinton: ImageNet Classification with Deep Convolutional Neural Networks. Communications of the ACM 60(6), 24. Mai 2017 <https://doi.org/10.1145/3065386> (02.03.2026).
21Eine Einführung in die praktische Arbeit mit diesen Werkzeugkästen, gebündelt mit einer groben Skizze der Theorie bietet François Chollet, Matthew Watson: Deep Learning with Python. 3. Aufl., Shelter Island NY: Manning, 2025.
22Der Begriff des Tensors bezieht sich auf Zahlengebilde unterschiedlicher Komplexität; wobei ein Tensor 0. Stufe ein Skala, d.h. eine einfache Zahl ist, eine Tensor 1. Stufe ein Vektor, einer 2. Stufe eine Matrix, einer 3. Stufe ein dreidimensionales Schema von Zahlen, usw. Wichtig ist, dass man diese Zahlenschemata auch als Funktionen auffassen.
23Eleanor Olcott, Zijing Wu: How long can Nvidia stay ahead of Chinese competition? Financial Times, 1. Oktober 2025 <https://www.ft.com/content/c24a9b6c-1664-4e46-affb-0c0dc16e3c4a> (26.02.2026).
24Zijing Wu, Eleanor Olcott: Nvidia suppliers halt H200 output after China blocks chip shipments. Financial Times, 17. Januar 2026 <https://www.ft.com/content/02a3eb7c-684f-4e39-87b8-36e9595ef800> (26.02.2026). Zum Verständnis ist wichtig zu wissen, dass Unternehmen wie Nvidia, doch auch ARM, ein britisches Unternehmen, auf dessen Design die CPUs in den meisten Smartphones beruhen, keine Produktion haben, sondern diese, meist in Ostasien ansässigen, spezialisierten Unternehmen wie der TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Company), dem führenden Hersteller, überlassen, während sie selbst sich auf die Entwicklung konzentrieren. Die Fertigungstechnik, deren die leistungsfähigsten Prozessoren bedürfen, stammt von der niederländischen ASML (Advanced Semiconductor Materials Lithography), die auf Licht im extremen kurzwelligen ultravioletten Bereich des Spektrums (eUV) ausgelegte Optik darin von der deutschen Carl Zeiss SMT (Semiconductor Manufacturing Technology).
25Gordon Moore, der das Gesetz in den 1960ern formulierte, war einer der Gründer von Intel. Intel gehörte zu den Pionieren der Technik der integrierten Halbleiterschaltungen und hatte lange Zeit eine dominierende Stellung inne. Dies insbesondere, weil das Konzept der IBM PCs bzw. der Betriebssysteme DOS und Windows von Microsoft sich auf das 8086-Prozessor-Design von Intel stützte, und auch Alternativen wie Linux wegen dessen großer Verbreitung dies taten. Intel fiel im letzten Jahrzehnt jedoch deutlich zurück, vor allem gegenüber AMD, die mit dem Instruktionssatz des 8086 kompatible Prozessoren herstellt. Da durch der Expansion der Rechenzentrumsinfrastruktur die Frage des Energieverbrauchs zunehmend Gewicht erhält, gewinnt jedoch das alternative Prozessordesign von ARM, das seines deutlich geringeren Energieverbrauchs wegen sich bei den mobilen Geräten durchzusetzen vermochte, auch dort an Attraktivität für die Rolle der Universalprozessoren, die neben den GPUs benötigt werden.
26Das deutsche Unternehmen Parsytec hatte auf die an den Erfordernissen paralleler Verarbeitung orientierte Transputer-Architektur des britischen Herstellers Inmos gesetzt, der jedoch entscheidende Innovationen nicht schnell genug zur Reife zu entwickeln vermochte und daran scheiterte. Auf diese Plattform zielende Entwicklungen im Bereich der funktionalen Programmiersprachen gerieten damit in Vergessenheit. Thinking Machines war 1983 aus dem AI Lab am MIT hervorgegangen und zielte mit paralleler Verarbeitung und dem Zugang via LISP auf die KI, musste 1993 jedoch aufgeben. Das 2025 von der ehemaligen OpenAI-Technikchefin Mira Murati gegründete und eng mit Nvidia verbundene Thinking Machines Lab steht damit in keinem Zusammenhang.
27Auf diese und weitere Probleme machte John Backus, der Schöpfer der damals das wissenschaftlich-technische Rechnen dominierenden Programmiersprache FORTRAN, in seiner Turing Award Lecture aufmerksam: John Backus: Can Programming Be Liberated from the von Neumann Style? A Functional Style and its Algebra of Programs (1977). In: Turing Award Lectures: The First Twenty Years, 1966–1985. New York NY: ACM Press, 1987, 63–130.
28Norbert Wiener: The Human Use of Human Beings: Cybernetics and Society. 75th Anniversary Edition, New York NY: Mariner Classics, 2025 [1950], 79.
29Aaron Mueller: Algorithm that gets ‘under the hood’ of AI models could effectively steer their responses. Nature 653, 35–36, 29. April 2026 <https://doi.org/10.1038/d41586-026-01267-4> (18.05.2026).
30Subbarao Kambhampati : Polanyi’s Revenge and AI’s New Romance with Tacit Knowledge. Communications of the ACM 64(2), 1. Februar 2021 <https://doi.org/10.1145/3446369> (04.03.2026).
31Gary Marcus: Deep Learning Is Hitting a Wall. Nautilus, 10. März 2022 <https://nautil.us/deep-learning-is-hitting-a-wall-238440/> (22.04.2024).
32Zahlriche Beispiele finden sich in Marcus, Davis 2019, Kap. 1–3 und Marcus 2022.
33Dieses Phänomen wächst sich inzwischen zu einer Krise Reproduzierbarkeit in den Biowissenschaften aus, wo immer mehr mittels KI erstellte und, nach Peer Review, in angesehenen Journalen erschienene Studien an der Überprüfung ihrer Resultate scheitern. Dazu Elizabeth Gibney: Could machine learning fuel a reproducibility crisis in science? Nature 608, 26. Juli 2022, 250−251 <https://doi.org/10.1038/d41586-022-02035-w> (11.08.2022) und Emily Sohn: The reproducibility issues that haunt health-care AI. Nature 613, 402−403, 12. Januar 2023 <https://doi.org/10.1038/d41586-023-00023-2> (09.03.2023).
34Genauer erklärt finden sich die betreffenden Zusammenhänge in Rainer Fischbach: Ein Virus zum Beispiel. Düren. Shaker Media, 2023, 83−87.
35Miryam Naddaf, Elizabeth Quill: Hallucinated citations are polluting the scientific literature. What can be done? Nature 652(8108), 26-29, 2. April 2026 <https://doi.org/10.1038/d41586-026-00969-z> (16.04.2026).
36In einer privaten Veranstaltung.
37Dass diese Versuche nur mäßige Ergebnisse liefern, liegt weniger daran, dass die angewandten physikalischen Theorien ungenügend wären, sondern daran, dass die Aufgabenstellung unerhört komplex, insbesondere die Anzahl der wechselwirkenden Partikel sehr groß ist und sich schon die sie beeinflussenden Randbedingungen sich nicht hinreichend präzise bestimmen lassen.
38Matthias Schrappe: Krieg aus der Retorte. Cicero, 7. April 2026 <https://www.cicero.de/kultur/krieg-aus-der-retorte> (15.04.2026).
39Begriffe wie ‚Waffe‘ und ‚Krieg‘ sind im Zusammenhang mit diesen Dingen, ebenso wie in dem der chemischen und atomaren ohnehin fragwürdig. Angemessener sei sei es, von „Vertilgung“ zu sprechen, so Günther Anders: Der Mann auf der Brücke: Tagebuch aus Hiroshima und Nagasaki [1958]. In ders.: Hiroshima ist überall. München: Beck, 1982, 113.
40Rainer Fischbach: „Biowaffe“ SARS-CoV-2: Glaubwürdige BND-Enthüllung oder neues Narrativ? 1bis19, 22. März 2025 <https://1bis19.de/politik/biowaffe-sars-cov-2-glaubwuerdige-bnd-enthuellung-oder-neues-narrativ/> (10.04.2026).
41Z.B. Witt 2025, 179 und 237.
42Gary Marcus: The New Science of Alt Intelligence: AI has lost its way. Let’s take a step back. Marcus on AI, 14. Mai 2022 <https://garymarcus.substack.com/p/the-new-science-of-alt-intelligence> (14.03.2026) und ders.: BREAKING: Expensive new evidence that scaling is not all you need: Two more colossally expensive experiments have failed. Marcus on AI, 14. März 2026 <https://garymarcus.substack.com/p/breaking-expensive-new-evidence-that> (14.03.2026).
43Dieser Begriff wurde geprägt durch Immanuel Kant: Kritik der Urteilskraft, 2. Aufl., Berlin: Lagarde, 1793, §65 und in der modernen Biologie aufgegriffen durch Humberto Maturana, Francisco J. Varela: Der Baum der Erkenntnis: Die biologischen Wurzeln des menschlichen Erkennens. Bern: Scherz, 1987.
44Dieses Verständnis von Umwelt ist das in der Biologie gültige. Es wurde geprägt durch Jakob Johann von Uexküll: Theoretische Biologie. 2., gänzl. neu bearb. Aufl. Berlin: Springer, 1928 [1920]. Eine zeitgemäße Darlegung bietet Richard C. Lewontin: The Triple Helix: Gene, Organism, and Environment. Cambridge MA: Harvard University Press, 2001.
45Diesen Aspekt hebt besonders hervor Josef H. Reichholf: Warum die Menschen sesshaft wurden: Das größte Rätsel unserer Geschichte. 4. Aufl., Frankfurt am Main: Fischer 2016 [2008] (Fischer Taschenbuch; 17932), Teil II. Schon der erste Schritt aus dem Regenwald in eine offene Landschaft dürfte konstitutiv gewesen sein. Dass eine so hoch organisierte Spezies wie der Mensch arktische ebenso wie tropische und alle dazwischen liegenden Regionen besiedelt, ist noch außergewöhnlicher.
46Hilary Putnam: Renewing Philosophy. Cambridge, MA: Harvard University Press, 1992, 13 (Emphase im Original).
47So Alexander Unzicker in einem Interview mit Florian Rötzer: „Die KI wird am Ende des Tages die besseren Karten haben“. Overton, 6. April 2026 <https://overton-magazin.de/top-story/die-ki-wird-am-ende-des-tages-die-besseren-karten-haben/> (08.04.2026). Die gleiche Aussage macht Unzicker auch in dem bereits angeführten Interview mit Marcus Klöckner.
48Die historischen Zusammenhänge schildert Thomas Rid: Rise of the Machines: a Cybernetic History. New York NY: Norton, 2016, Kap. 4.
49Filippo Tommaso Marinetti: Der multiplizierte Mensch und das Reich der Maschine [1914]. In: Hansgeorg Schmidt-Bergmann: Futurismus: Geschichte, Ästhetik, Dokumente. Reinbek: Rowohlt 1993 (rowohlts enzyklopädie; 535), 108.
50Diese Kontinuität wie auch der höhere Realismus der Vorläufer heutiger Fiktionen vom Cyberspace ist bereits Thema in Rainer Fischbach: Mythos Netz. Kommunikation jenseits von Raum und Zeit? Zürich: Rotpunktverlag, 2005, Kap. 1 <https://www.rainer-fischbach.info/fischbach_mythos_netz_2005.pdf> (12.01.2026).
51Nick Bostrom: What is Transhumanism? 2001, 2 <https://nickbostrom.com/old/transhumanism> (16.05.2026).
52Matthias Jung: Sinn und Organismus: Wie Verkörperung Menschsein ermöglicht. Berlin: Matthes & Seitz, 2026, 56.
53Hilary Putnam: Representation and Reality. Cambridge MA: MIT Press, 1989, 22–26.
54Connor Leahy, Gabriel Alfour, Chris Scammell, Andrea Miotti, Adam Shimi: The Compendium. 9. Dezember 2024 <http://pdf.thecompendium.ai/the_compendium.pdf> (30.12.2025), 6.
55Dies verdeutlicht Jobst Landgrebe, Barry Smith: Why Machines Will Never Rule the World: Artificial Intelligence without Fear. New York NY: Routledge, 2025, Kap. 3.2.
56Laut Hao 2025, 405.
57Nicht zufälligerweise erfolgt eine passende Ankündigung — oder, wenn man so will, eine entsprechende Drohung —, die sowohl die KI als auch die synthetische Biologie einbezieht, durch eines der Sprachrohre der globalen Eliten, Yuval Noah Harari: Homo Deus: A Brief History of Tomorrow. London: Vintage, 2016, 319: „In the twenty-first century, those who ride the train of progress will acquire divine abilities of creation and destruction, while those left behind will face extinction“.
58Hao 2025, 146–147, 315–318.
59So wollen Mark Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan durch ihre Stiftung ein Vermögen von mehr als 200 Milliarden Dollar vor allem auf dieses Ziel orientieren. Dazu Bettina Micka: „Unmögliches möglich“ machen: Wie Mark Zuckerberg und seine Frau bis 2100 alle Krankheiten heilen wollen. Medscape, 12. Februar 2026 <https://deutsch.medscape.com/viewarticle/stiftung-alle-krankheiten-heilen-2026a1000328> (20.02.2026).
60Die Geschichte dieser Vorhabens und seines Verlaufs findet ich bei Hao 2025.
61Dass auch die Amodeis nicht viel besser abschneiden als Altman, zeigt Gary Marcus: There are no heroes in commercial AI: When it comes down to it, Dario Amodei isn’t all that different from Sam Altman. Marcus on AI, 8. März 2026 <https://garymarcus.substack.com/p/there-are-no-heroes-in-commercial> (09.03.2026).
62Der Spiegel, 10/2026, 27. Februar, 17.
63Martin Heidegger: Überwindung der Metaphysik [1954]. In: ders.: Bauen, Wohnen, Denken: Vorträge und Aufsätze. Stuttgart: Klett-Cotta, 2022, 118.
64Die Sage vom Golem als heimliches Skript kybernetischen Schaffens thematisiert Lutz Dammbeck: Seek: Der Golem geht um — Affairen zwischen Kunst, Wissenschaft und Technik. Leipzig: Spector books, 2023.
65Max Horkheimer, Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung: Philosophische Fragmente [1947]. In: Max Horkheimer: Gesammelte Schriften. Frankfurt am Main: Fischer 1985−1996, Band 5, 19.
66Richard Barbrook, Andy Cameron: The Californian ideology. Science as Culture 6, Januar 1996 <https://doi.org/10.1080/09505439609526455> (14.01.2026).
67Beispielhaft dafür Thomas Assheuer: Faschismus als Endsieg der Evolution? Ernst Jünger als Stichwortgeber der Cyberlibertären. Blätter für deutsche und internationale Politik, Dezember 2025, 51–61 <https://www.blaetter.de/ausgabe/2025/dezember/faschismus-als-endsieg-der-evolution> (08.05.2026).
68Dazu Fischbach 2023, 237–260. Zu den technisch-wirtschaftlichen Aspekten ders.: Die schöne Utopie: Paul Mason, der Postkapitalismus und der Traum vom grenzenlosen Überfluss. Köln: PapyRossa, 2017 (Neue Kleine Bibliothek; 238).
69So der Titel und die Schlusszeilen eines Gedichts des Hippie-Poeten Richard Brautigan, in dem dieser 1967 eine kybernetischen Utopie ausmalte. In ders.: The Pill versus the Springhill Mine Desaster, 1 (enthalten in der Sammlung Trout Fishing in America, The Pill versus the Springhill Mine Desaster and In Watermelon Sugar. New York: Harper Collins, 1989).
70Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra: Ein Buch für Alle und Keinen [1883–1885]. Kritische Studienausgabe. Hrsg. Giorgio Colli, Mazzino Montinari. München: DTV, 1980, Bd. 4, 15 (Emphase im Original)). Dazu auch die Nachbetrachtung in Fischbach 2005, 253–265.
71John Perry Barlow: A Declaration of the independence of cyberspace. World Economic Forum, Davos, 8. Februar 1996 <https://www.eff.org/cyberspace-independence> (12.01.2025).
72Eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Thema der offenen Software und einigen Missverständnissen ihrer Protagonisten liefert Rainer Fischbach: Frei und/oder offen? From Pentagon Source to Open Source, and Beyond. FIfF Kommunikation, September 1999, 21-27 <https://www.rainer-fischbach.info/fiff_frei_offen.html> (17.05.2026).
73In einem Gespräch mit Mark Dery: Escape Velocity: Cyberculture at the End of the Century. New York NY: Grove Press, 1996, 48.
74Pierre Teilhard de Chardin: Der Mensch im Kosmos. Sonderausgabe, München: Beck, 1965 [1959], 183.
75Teilhard de Chardin 1965 [1959], 184. Die im Französischen übliche Metapher, die Teilhard im Originaltext verwendet, wo er diesen Vorgang mit „la terre fait ‚peau neuve‘“ umschreibt, liegt näher an dessen organischen Ursprung. Siehe Pierre Teilhard de Chardin: Le Phénomène Humain, Suivi de La Messe sur le Monde. Aigle (CH): FV Éditions, 2025 [1955], 124.
76Teilhard de Chardin 1965 [1959], 184. In dieser Passage tritt auch hervor, wie stark Teilhard, der nicht weniger als Ernst Jünger als Zeuge den Stahlgewittern des Ersten Weltkrieges beigewohnt und als Sanitäter das damit verbundene Leiden erlebt hatte, vom Fortschittsoptimismus des 19. Jahrhunderts beeinflusst war, den er durch ein theologisches ‚dennoch‘ zu retten versuchte. Von der Front schrieb er am 8. September an seine Cousine, „dass ich fortfahren würde, die Arbeit der Erde zu tun, wenn Gott mich am Leben erhält“. „Die Arbeit der Erde“, das war und sollte auch weiterhin für ihn die an der „Geschichte des Lebens auf der Erde“ sein. Siehe Pierre Teilhard de Chardin: Entwurf und Entfaltung: Briefe aus den Jahren 1914–1919. Freiburg: Alber, 1963, 148.
77Teilhard de Chardin 1965 [1959], 298. Hier wird deutlich, dass Teilhard die abendländische Spaltung von Geist und Materie letztlich nicht zu überwinden vermochte.
78Peter Thiel: The Education of a Libertarian. Cato Unbound, 13. April 2009 <https://www.cato-unbound.org/2009/04/13/peter-thiel/education-libertarian/> (06.04.2026).
79Martin Heidegger: Die Frage nach der Technik [1954]. In: ders. 2022, 38.
80Hier sei noch einmal auf Hao 2025, Kap. 9 hingewiesen.
81In einer privaten Veranstaltung.
82Camilla Hodgson: The hunt for copper to wire the AI boom. Financial Times, 3. Dezember 2025 <https://www.ft.com/content/ed785287-c4db-4840-a90b-426fbd41bb5b> (11.01.2026). und dies.: Big copper shortage to pose ‚systemic risk‘ to global economies, warns S&P. Financial Times, 8. Januar 2026 <https://www.ft.com/content/9d69ce4d-648e-44f9-812d-ecb811b751e5> (11.01.2026).
83Casey Crownhart, Pilita Clark: The State of AI: here comes the energy crunch. Financial Times, 10. November 2025 <https://www.ft.com/content/fecd5860-97c4-44be-a2a2-4127388abbc1> (19.01.2026). Dazu auch June Yoon: What if the AI race isn’t about chips at all? Financial Times, 12. November 2025 <https://www.ft.com/content/e4c9ac58-d64e-487a-b06d-e71be47f31c9> (14.03.2026).
84Heidi Ledford: ‚RAMmageddon‘ hits labs: AI-driven memory shortage is impacting science. Nature, 13. März 2026 <https://doi.org/10.1038/d41586-026-00844-x> (16.03.2026).
85Stephen Morris, Michael Acton, Rafe Rosner-Udin: Big Tech’s ‚breathtaking‘ $660bn spending spree reignites AI bubble fears. Financial Times, 6. Februar 2026 <https://www.ft.com/content/0e7f6374-3fd5-46ce-a538-e4b0b8b6e6cd> (06.02.2026); Gary Marcus: Some disconcerting facts about AI and banking that may have profound consequences. Marcus on AI, 10. Februar 2026 <https://garymarcus.substack.com/p/some-disconcerting-facts-about-ai> (10.02.2026).
86Eine Auswahl bieten Pilita Clark: Looking back on a year of AI blunders: Few industries have escaped our hapless misuse of this troubling technology. Financial Times, 21. Dezember 2025 <https://www.ft.com/content/d22867d6-af87-4727-84d7-1571d951347d> (29.03.2026); Gary Marcus: Let’s be honest, Generative AI isn’t going all that well. Marcus on AI, 12. Januar 2026 <https://garymarcus.substack.com/p/lets-be-honest-generative-ai-isnt> (29.03.2026) und ders.: Don’t trust Generative AI to do your taxes — and don’t trust it with people’s lives. Marcus on AI, 8. März 2026 <https://garymarcus.substack.com/p/dont-trust-generative-ai-to-do-your> (31.03.2026).
87Rafe Rosner-Udin: Amazon holds engineering meeting following AI-related outages. Financial Times, 10. März 2026 <https://www.ft.com/content/7cab4ec7-4712-4137-b602-119a44f771de> (31.03.2026).
88Darauf deuten auch zunehmend zu findende Berichte aus der Praxis hin. Einige aktuelle Beispiele referiert Gary Marcus: Dario Amodei, hype, AI safety, and the explosion of vibe-coded AI disasters: What the AI cheerleaders don’t tell you. Marcus on AI, 27. April 2026 <https://garymarcus.substack.com/p/dario-amodei-hype-ai-safety-and-the> (27.04.2026).
89Aruna Ranganathan and Xingqi Maggie Ye: AI Doesn’t Reduce Work — It Intensifies It. Harvard Business Review, 9. Februar 2026 <https://hbr.org/2026/02/ai-doesnt-reduce-work-it-intensifies-it> (29.03.2026).
90Grant Gross: Insurance carriers quietly back away from covering AI outputs. CIO, 20. April 2026 <https://www.cio.com/article/4159297/insurance-carriers-quietly-back-away-from-covering-ai-outputs-2.html> (20.04.2026).
91So auch Der Potsdamer Appell zu autonomen Waffensystemen. Potsdam, 3. August 2025 <https://potsdamcall.dgdg.blog/de/der-potsdamer-appell-zu-autonomen-waffensystemen/> (01.04.2026).
92ABM steht für anti-ballistic missile, die Technik der Abwehr ballistischer Raketen, die seit den 1960ern verfolgt, in den 1970ern im Zuge entsprechender Vereinbarungen mit der Sowjetunion, die damals das Fundament der strategischen Rüstungskontrolle bildeten, zurückgefahren und in den 1980ern im Rahmen der Strategic Defense Initiative (SDI) des Präsidenten Ronald Reagan wieder aufgenommen wurde. MIRV steht für multiple independently targetable reentry vehicle, die Technik, mit einer Trägerrakete mehrere Sprengköpfe auf verschiedene Ziele zu richten.
93Herbert York: Race to Oblivion: A Participant’s View of the Arms Race. New York NY: Simon and Schuster, 1970, 226.
94York 1970, 228.
95Günther Burbach: KI für den Krieg: Der Streit zwischen dem Pentagon und einem KI-Unternehmen wirft ein Licht auf die neue militärische Technologiepolitik. Nachdenkseiten, 13. März 2026 <https://www.nachdenkseiten.de/?p=147657> (15.03.2026).
96Dazu Thomas Rid: Rise of the Machines: a Cybernetic History. New york NY: Norton, 2016. dieses Werk stellt wesentliche Aspekte dieser, schon während des Zweiten Weltkriegs beginnenden, engen Verbindung von Kybernetik und Informationstechnik dar, wenn es auch dem Anspruch, eine Geschichte der Kybernetik zu bieten, nicht völlig gerecht wird. Dazu ist, abgesehen von einigen Fehlern, seine Sicht zu sehr auf die Anglosphäre zentriert.
97Sehr klar wird dies herausgearbeitet von Kevin Baker: Kill Chain: On the automated bureaucratic machinery that killed 175 children. Artificial Bureaucracy, 21. März 2026 <https://artificialbureaucracy.substack.com/p/kill-chain> (08.04.2026).
98Zusammenfassend dazu Gary Marcus: 9 reasons AI isn’t going to take your job (yet). Fortune, 1. April 2026 <https://fortune.com/2026/04/01/ai-layoffs-automation-productivity-finance-employment-investors-ceos/> (01.04.2026).
99Dazu und zum Qualitätsverfall wissenschaftlicher Veröffentlichungen Lisa Messeri, M.J. Crocket: The uncritical adoption of AI in science is alarming — we urgently need guard rails. Nature 653, 675–676, 19. Mai 2026 <https://doi.org/10.1038/d41586-026-01557-x> (20.05.2026) und vertiefend dies.: The uncritical adoption of AI in science is alarming — we urgently need guard rails. Nature 653, 675–676, 19. Mai 2026 <https://doi.org/10.1038/d41586-026-01557-x> (20.05.2026).
100Thomas Pany: Akademisierung und KI: Hochschulen und Studenten müssen umdenken. Telepolis, 25. März 2026 <https://telepolis.de/-11224307> (15.04.2025).
101Rainer Fischbach: Kognitive Entwicklung, Medien und digitale Technik. In: Anke Wischmann; Susanne Spieker; David Salomon; Jürgen-Matthias Springer (Hrsg.): Jahrbuch Pädagogik 2020: Neue Arbeitsverhältnisse — Neue Bildung. Weinheim: Beltz Juventa, 2022, 180–190 <https://www.rainer-fischbach.info/rf_kognitive_entwicklung_Jahrbuch_Paedagogik_2020.pdf> (15.04.2026).
102Steffen Reitz: Wofür braucht es noch Lehrerinnen und Lehrer? Erziehung & Wissenschaft, 2/2026 <https://www.academia.edu/164611892/KI_in_der_Bildung_Wof%C3%BCr_brauchen_wir_noch_Lehrerinnen_und_Lehrer> (07.04.2026).
103Reitz 2026, 19.
104Roberto Simanowski: Große Sprachmodelle: Was technisch möglich ist und politisch bedacht werden muss. Lettre International 151, Winter 2025, 14 (Emphase im Original). Eine ausführlichere Beschäftigung mit solchen und ähnlichen Vorstellungen findet sich in Rainer Fischbach: Tod im Sprachmodell. Overton, 14. Februar 2026 <https://overton-magazin.de/top-story/tod-im-sprachmodell/> (20.04.2026).
105Günther Anders: Die Antiquiertheit des Menschen. Band 2: Über die Zerstörung des Lebens im Zeitalter der dritten industriellen Revolution. 2. Aufl., München: Beck, 1981, 111.