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Ressourcen zu Mensch-Natur-Stoffwechsel

Stand: 15. Juni 2017
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Das Buch


Rainer Fischbach
Mensch-Natur-Stoffwechsel:
Versuche zur politischen Technologie

Köln: PapyRossa, 2016
ISBN 978-3-89438-628-3
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Mit jedem Aspekt der gegenwärtigen Vielfachkrise verbinden sich Stimmen, die ihn in den Vordergrund stellen und Lösungen vorschlagen, die alle anderen Aspekte ignorieren, wenn nicht negieren. Grüne Austerität ist sozial gefühllos und kümmert sich wenig um die Konjunktur, während deren Anwälte oft Ungleichheit für notwendig und Umweltprobleme für Märchen halten. Eine Perspektive, die nicht nur ein bloßes Überleben, sondern ein humanes Überleben der Menschheit anstrebt, wird sich der Realiätsschicht zuwenden müssen, in der die diversen Krisensymptomatiken zusammenhängend wurzeln: dem, was Marx den Stoffwechsel zwischen Mensch und Erde nennt. Dessen Form und Ausmaß bestimmen entscheidend die Produktivkräfte und darunter an hervorgehobener Stelle das, was heute der Begriff Technologie umfasst. So sehr Technologie auf die Beschaffenheit der Natur und ihre Gesetze angewiesen ist, so sehr ist sie zugleich auch politisch: in ihrer konkreten Ausformung, in den Potentialen, die sie entwickelt, drückt sich die Ordnung einer Gesellschaft ebenso aus wie in denen, die sie ignoriert. Ein humanes Überleben der Menschheit wird eine neue Gestalt ihres Stoffwechsels mit der Natur ebenso erfordern wie neue gesellschaftliche Ordnung und beides wird es nicht unabhängig voneinander geben. Auf dem Weg dorthin wird vieles zu hinterfragen sein: die Mythen der Sparsamkeit und der grünen Technologie ebenso wie die des Konsumismus und die, sei es Versprechungen, sei es Drohungen, einer smarten, digitalen Welt, die sich mit dem Internet der Dinge oder einem Programm wie Industrie 4.0 verbinden.

Zu den Bildern des Einbands

Das Schiff und die Werft
Das Holz des Waldes zu nehmen, daraus ein Schiff zu bauen, um sich mit Netzen aus Pflanzenfasern der Fische des Sees, des Meers in großer Zahl zu bemächtigen, stellt eine Jahrtausende alte Form des menschlichen Stoffwechsels mit der Natur dar - bedeutend genug, um Eingang in die Metaphorik des menschlichen Daseins zu finden. Wir werfen heute noch Netze aus, fischen nach allem möglichen, machen einen Fang oder auch nicht oder erleiden manchmal Schiffbruch - ganz ohne Netz und Schiff. Das Netz selbst verwandelte sich lange, nachdem der Fischfang seine hohe Bedeutung für die menschliche Ernährung eingebüßt hatte, schließlich zu einer Ermächtigungsmetapher ersten Ranges. Unter dem Personal der Evangelien nahmen Fischer einen prominenten Platz ein und ihr Geschäft lieferte Material für die Bilder des Glaubens und seiner Verbreitung [Matthäus 4, 18-22; Lukas 5, 1-11; Johannes 21, 1-14]. Schiffe und Netze bedürfen der beständigen Pflege und von Zeit zu Zeit auch der grundlegenden Überholung oder Ausbesserung. Das gilt auch für das Schiff unserer technischen Zivilisation und seine Netze, d. h. ihr Inventar an Geräten und Anlagen sowie die Verfahren ihrer Nutzung, durch die wir unseren Stoffwechsel mit der Natur vollziehen. Nur an Land ziehen können wir es dafür nicht. Wir befinden uns auf hoher See - Land, geschweige denn eine Werft, ist nicht in Sicht und anhalten können wir auch nicht. Das Schiff ist, wenn es nicht untergehen soll, in voller Fahrt auf hoher See umzubauen mit den an Bord befindlichen Mitteln und dem, was wir aus der umgebenden See zu fischen vermögen. Wir sollten damit beginnen, bevor der nächste schwere Sturm aufkommt.

Das Meer und der Fels
Die Erde wird bestehen, auch wenn die Menschen verschwunden sind. Die Frage ist nicht, ob dies, sondern nur wann und unter welchen Bedingungen dies eintreten, schließlich auch, wie die Erde dann aussehen wird. Es kann nicht darum gehen, nur die Existenz der Menschheit zu prolongieren, sondern es ist darauf zu achten, dass sie dabei ihre Menschlichkeit nicht verliert. Das äußerste, was eine menschliche Gesellschaft zu erreichen vermöchte, wäre ein friedliches, kein gewaltsames Ende. Nicht zuletzt muss sie sich der Illusion entledigen, die Natur sei völlig berechenbar zu machen, um alles mit »ökologisch wahren Preisen« zu versehen, die dann einen »grünen, nachhaltigen Kapitalismus« ermöglichten. Das Konzept der Nachhaltigkeit stand schon bei seiner Entstehung für das Unternehmen, die dauerhafte Ausbeutung einer Naturressource, nämlich des Waldes, zu sichern, indem man sie berechenbar und im Rahmen dieser Berechenbarkeit reproduzierbar machte. Was in dem, diesem Vorgehen zugrundeliegenden, Modell nicht vorkam: die Vielfalt des Lebens wie auch der Nutzungen, von denen vor allem die Armen abhingen, wie Bruchholz, Beeren und Pilze sammeln, hatte keine Chance mehr. Das war schon so, als die Mischwälder den Forsten aus schnell wachsenden Nadelhölzern Platz machen mussten, und ist auch heute noch so, wenn Urwälder und Moore Palmölplantagen weichen müssen - angeblich der Nachhaltigkeit wegen. Die Natur hat keinen Preis, um den wir sie kaufen könnten. Wir müssen sie nur als unsere Heimstätte und Ernährerin achten.

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